NABU Rhein-Kreis Neuss Wissenswertes Der Kormoran

Fliegendes Kreuz und Meistertaucher  

Der Kormoran ist „Vogel des Jahres 2010"    

Als der Kormoran vom NABU zum Vogel des Jahres gekürt wurde, staunten auch die Mitglieder des NABU Kreisverbandes Neuss nicht schlecht. Denn angesichts zahlreicher Vögel in manchen Brutkolonien an Teichen und Seen hat man weder den Eindruck, der Vogel sei vom Aussterben bedroht, noch erfreut er sich so großer Beliebtheit wie zum Beispiel der Eisvogel, ebenfalls ein Fischfresser, der auch schon Vogel des Jahres war.

Der Name Kormoran stammt aus einem lateinischen Kunstwort, das 'Meerrabe' bedeutet. Diese Bedeutung leitet sich von dem überwiegend schwarzen Gefieder der erwachsenen Vögel ab. Zusammen mit dem Pelikan und dem Basstölpel gehört der Kormoran zu den Ruderfüßern. Mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen kann er hervorragend schwimmen und tauchen. Dabei helfen ihm auch die schweren, luftarmen Knochen, so dass er zwischen ein und dreißig Meter Wassertiefe überwinden kann. Mit seinem gekrümmten Schnabel fängt er Fische, die ungefähr zehn bis zwanzig Zentimeter groß sind. Meistens sind es Rotaugen, Brachsen oder Kaulbarsche. Er frisst 300 g Fisch pro Tag, wenn er Nachwuchs hat 500 g. Der Kormoran wird bis zu einem Meter groß und wiegt zwischen drei und sechs Pfund. Er brütet in Kolonien und legt drei bis vier Eier, aus denen nach drei bis vier Wochen die Küken schlüpfen. Je nachdem, wo die Vögel brüten, suchen sie zum Teil im Winter wärmere Regionen auf, um dann im Frühjahr wieder zurückzukehren. Erwachsene, Männchen wie Weibchen, sind an Brust und Hals schwarz gefärbt, die Flügelfedern sind braun mit grün-metallischem Glanz und schwarzen Außenrändern. Der Kopf ist zur Paarungszeit erstaunlich bunt, mit rot-gelben Wangen, einem weißen Federkranz und ganzjährig tief smaragdgrünen Augen. Zu den natürlichen Feinden des Kormorans zählen Seeadler und Waschbär, die gern die Brut fressen.

 Kormoran 1

Entgegen landläufiger Meinung ist der Kormoran kein zugewanderter Vogel sondern seit der Eiszeit in Mitteleuropa heimisch. Kormorane wurden als lästige Fischfresser sehr lange verfolgt und galten um 1900 als quasi ausgerottet. Von Polen und den Niederlanden aus wanderten sie wieder zu. Aber um 1980 waren die Bestände wieder drastisch reduziert. Dank des 1979 geltenden Verfolgungsgebots konnten sich die Bestände wieder erholen, so dass es derzeit in Deutschland rund 24.000 Brutpaare gibt, womit die natürliche Kapazitätsgrenze erreicht ist. Bis dahin also eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Doch schon bald klagten Angler und Fischer, dass die Fisch fressenden Kormorane ihre Flüsse, Seen und Teiche leer fressen, und wurden von der Politik erhört. So gibt es bereits wieder in vielen Bundesländern Verordnungen, die den Abschuss und die Vertreibung der Vögel erlauben. Jährlich werden ca. 15.000 Kormorane getötet, auch Zugvögel, die aus dem Norden und Osten Europas kommen und Wintergäste sind.

Die Wahl zum Vogel des Jahres soll dem Kormoran helfen, sein Recht auf Überleben zu stärken. Natürlich ließen die heftigen Reaktionen der Angler- und Fischereiverbände nicht lange auf sich warten. Sie argumentieren, dass nicht nur der Kormoran sondern auch andere, nicht gefiederte Arten ein Recht auf Überleben haben, so zum Beispiel Aal und Äsche. Doch hier darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Aal und Äsche vor allem unter naturfernen Lebensräumen, steigenden Wassertemperaturen und zu hohen Düngereinträgen aus der Landwirtschaft in den Gewässern zu leiden haben. So wird beispielsweise der Aal vor allem durch die Turbinen der Wasserkraftwerke am Wandern gehindert, so dass nur noch eine geringe Zahl der Tiere in den Laichgewässern ankommen.

Sicherlich ist insbesondere für Teichwirte der Kormoran ein großer Nahrungskonkurrent. Und hier bemüht sich auch der NABU zusammen mit Behörden und Teichwirten jeweils vor Ort optimale Vergrämungsmaßnahmen zu finden. In Einzelfällen einigt man sich sogar auch auf gezielte Abschüsse. Doch oftmals wird der Kormoran für Fischverluste verantwortlich gemacht, die er gar nicht verursacht. Wichtig ist dem NABU daher vor allem, dass man zunächst andere Maßnahmen ergreift, und dass weder die Ruhezeiten während der Überwinterung, deren Störung nicht nur die Kormorane sondern auch andere Tiere viel Kraft kostet, noch die Brutzeiten durch unnötigen Abschuss stört, erst Recht nicht in Schutzgebieten. Die Wahl zum Vogel des Jahres möchte der NABU daher auch nutzen, um mit Fischern und Teichwirten konstruktive Gespräche zu führen und Lösungen zum Schutz der Fischbestände zu finden, die nachhaltiger sind und ohne den Abschuss oder das Zerstören der Brutkolonien auskommen. Alternativen wären etwa akustische Vergrämung, Renaturierungen oder extensive Teichwirtschaft.

Wer den Vogel des Jahres beobachten möchte, findet in dem Naturentwicklungsgebiet Lobberdense Waard vor den Toren der niederländischen Ortschaft Pannerden (zwischen Emmerich und Arnheim) die mit über 200 Paaren größte Kormoran-Brutkolonie der Region. Weitere Informationen gibt es auf der NABU Website www.kormoranfreunde.de.

Autorin des Artikels: Julia Bauermeister

 

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