NABU Rhein-Kreis Neuss Projekte BNE-Projekt Praktische Tipps

Praktische Tipps zur Projektarbeit


Brandgans  Foto: Chris Romeiks, www.vogelart.info


Am Anfang steht eine Projektidee - und der Wille, diese auch umzusetzen.

Am besten wird die Projektidee bzw. die Strategie ihrer Umsetzung auf ein paar Seiten schriftlich skizziert, eventuell auch schon als ein Entwurf für einen Projektantrag mit ungefährer Kostenkalkulation und Finanzierungsmöglichkeiten für das erste Projektjahr.

Als nächstes braucht es einen Projektträger. Für ein unabhängiges BNE-Projekt sind lokale NGOs geeignete Kooperationspartner, insbesondere aus dem Natur- und Umweltschutzbereich (zB NABU, BUND, WWF) oder dem der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit (zB Welthaus, Eine-Welt-Initiativen, gesellschaftskritische Kirchengemeinden). Über den Projektträger können Projektanträge gestellt werden an verschiedene Geberorganisationen, an die städtische Verwaltung oder gemeinnützige Vereine. Anträge von Privatpersonen werden hier selten berücksichtigt. Außerdem kann man über die lokale Organisation viel Hintergrundwissen zu fachlichen, organisatorischen und strukturellen Aspekten gewinnen. Mit Naturexperten können gemeinsame Exkursionen (Botanik, Vogelkunde, Amphibien ...) organisiert werden.

Eine kleine Baseline-Studie ist sinnvoll vor Beginn des Projekts, bei der insbesondere die Nachfrage nach den geplanten Projektaktivitäten und mögliche Kooperationspartner ermittelt werden können (zB Schulen, Kindergärten, Jugendclubs, Kirchengemeinden, Umwelt- und Schuldezernat). Damit wird die Projektidee schon im Vorfeld bekannt gemacht und sinnvolle Anregungen von außen können mit aufgenommen werden. Es wird positive und negative Resonanz auf diese Anfragen geben. Von letzteren sollte man sich nicht zu schnell demotivieren lassen. Man muss ja nicht mit allen kooperieren.

Möglichst bald sollten dann die Projektanträge abgeschickt werden an verschiedene Organisationen (siehe Projektfinanzierung) und an die Stadtverwaltung(en). Zusagen können 3-6 Monate und länger dauern. In dieser Zeit hat man entweder noch andere Einkünfte, bekommt Arbeitslosengeld oder beginnt mit einem Gründerprogramm und finanziert darüber seine ersten Projektaktivitäten. Ferienprogramme können durchaus schon selbstfinanziert angeboten werden, allerdings müssen auch diese möglichst 6-8 Wochen im voraus bereits angekündigt sein. Am besten nachgefragt sind einwöchige Angebote (zB 5 x 4 Stunden pro Tag).

Ansonsten kann die Zeit genutzt werden, um sich (zusätzliche) Fachkenntnisse anzueignen, in Natur- und Umweltschutzzentren oder Eine-Welt-Initiativen zu hospitieren, Fortbildungsseminare für Natur- und Umweltpädagogen zu besuchen, mit Naturexperten auf Exkursion zu gehen und dabei geeignete Natur-Lernorte vor Ort zu erkunden, oder mit kleineren NAJU-Gruppen erste Aktivitäten in der Natur zu unternehmen und verschiedene Module zu testen. Meist sind das interessierte Kinder, die z.T. selbst schon einiges an Grundlagenwissen mitbringen, sodass sich das zu einem gegenseitigen fruchtbaren Lernprozess entwickeln kann. Interessierte Mütter oder Väter sollten ruhig begleiten dürfen. Eventuell können sie später für ehrenamtliche Unterstützung angefragt werden.

Ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden ist zuweilen keine einfache Übung. Für größere Kindergruppen zB bei den Ferienprogrammen (15-20 Kinder) ist es aber durchaus angeraten, noch eine zweite Betreuungsperson an jedem Tag dabei zu haben, allein schon für den Fall, dass eventuell ein Unfall passiert. Auch lokale Ehrenamtler-Börsen können hierfür angefragt werden. Die nachgefragten Qualifikationen sollten möglichst niedrig angesetzt werden, da sich sonst kaum einer für die Mitbetreuung findet. Es reicht im Grunde die Freude am Umgang mit Kindern in der Natur und eine gewisse körperliche Fitness, sodass ein vierstündiger Waldspaziergang nicht zur Strapaze wird. Bei Schul- und Kindergartenprogrammen können die Lehrkräfte und Erzieherinnen durchaus dazu motiviert werden, sich aktiv an der Kinderbetreuung zu beteiligen, insbesondere wenn es erforderlich wird Störenfriede zu disziplinieren.

Insgesamt sollten bei solch einem Projekt möglichst viele Kontakte genutzt werden um ein größeres Netzwerk aufzubauen. Hierfür legt man sich am besten mehrere Adressen-Listen und email-Verteiler an, jeweils nach Organisationen gegliedert (zB Trägerorganisation, Schulen, Kindergärten, Kirchengemeinden, andere Kooperationspartner, Ehrenamtler, Stadtverwaltung, Lokalpresse, NAJU-Gruppen, Feriengruppen ....).

Hilfreich sind Kooperationen mit thematisch ähnlich gelagerten Organisationen wie zB der Natur- und Umweltschutzakademie NUA, der Landesanstalt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz LANUV, dem Evangelischen Entwicklungsdienst EED, Rettet den Regenwald RdR, der LAG 21, Bildungscent und BMU, Germanwatch, Greenpeace und lokalen Eine-Welt-Netzwerken. Über solche Organisationen bekommt man gute fachliche Auskünfte und Bildungsmaterial, das oftmals kostenlos oder sehr günstig zu beziehen ist. Solche Empfehlungen sind auch für Schulen und Kindergärten interessant. Über die NUA kann zudem der Umweltbus "Lumbricus" beantragt werden für gemeinsame Schulprogramme (in NRW ab 5.Klasse). Die meisten Organisationen, auch das BMU, bieten über Newsletter aktuelle Informationen zu besonderen Themen, Wettbewerben und Kampagnen, neuen Publikationen an Bildungsmaterial und Fortbildungsangeboten. Selektiv können solche Informationen weiter geleitet werden an Schulen und Kindergärten, oder manches auch an Kinder und Eltern (zB Teilnahme an email-Protestaktionen). Von NUA und Brot für die Welt werden kostenlose Quartalszeitschriften angeboten (NUAncen und Global Lernen) mit guten Anregungen für Schul- und Ferienprogramme oder Aktionen mit Konfirmanden. Naturschutzorganisationen und RdR verschicken Zeitschriften kostenlos an ihre Mitglieder, der Regenwald-Report ist zudem im Internet verfügbar.

Über email-Verteiler sollten möglichst bald Ankündigungen der Programm-Angebote für Schulen, Kindergärten, Jugendclubs, Konfirmandengruppen und andere Zielgruppen verschickt werden. Wahrscheinlich ist hier die Resonanz am Anfang recht gering, sodass man das Projekt auch noch über telefonische Anfragen und Zeitungsannoncen bekannt machen muss. Zunächst reichen zwei oder drei Module (zB Wald, Wasser, Wiese). Von Anfang an sollte bei diesen Bildungsangeboten eine Eigenbeteiligung eingefordert werden, insbesondere für Outdoor-Programme mit Schulklassen und Kindergartengruppen (mindestens 10,-€/ Stunde). Für den Bereich Globales Lernen könnte es u.U. schwieriger werden, besonders für längerfristige Projekte, wenn nicht sehr attraktive Module angeboten werden. Bevor da keine Aktivitäten möglich sind sollte hier lieber auf Projektgelder zurück gegriffen werden.

Über die ersten Angebote von Ferien- und NAJU-Programmen oder Aktionen mit Schulen und Kindergärten sollte man ruhig den ein oder anderen Artikel für die Lokalpresse schreiben mit ein paar schönen Kinderfotos. Oder man fragt bei den Redaktionen an, ob jemand Lust hat, darüber einen Artikel zu verfassen und gleichzeitig über die Projektidee zu schreiben. Allerdings muss man hierbei immer damit rechnen, dass nicht alles wie gewünscht geschrieben wird und man darauf auch wenig Einfluss nehmen kann. Wenn mehrere Lokalredaktionen vorhanden sind, kann ein email-Presseverteiler angelegt werden. Für die Ankündigung von Ferien- und Freizeitangeboten ist die Unterstützung der Lokalpresse fast unentbehrlich. In den meisten Fällen wird das für solche Programme kostenlos gemacht.
Eine Frage, die einem am Anfang unter den Nägeln brennt ist die der Versicherungspflicht. Schüler und Kindergartenkinder sind i.d.R. über ihre Institution unfallversichert. Bei Ferienprogrammen und NAJU-Betreuung sollte auf jedem Fall die leitende Person Mitglied der Trägerorganisation sein. Beim NABU zB gilt dann die Regel, dass Unfallkosten im Streitfall übernommen werden, wenn das Ganze nicht privat über die Familienversicherung abgedeckt wird. Letztendlich liegt die Entscheidung hier aber bei dem Projektkoordinator, inwieweit er oder sie sich möglichst weitgehend absichern möchte. Es ist jedoch nicht ganz einfach, eine passende Versicherungsform zu finden, die auch im finanziellen Rahmen bleibt. Am besten ist das mit dem Projektträger abzusprechen. Bei längeren Ferienfreizeiten mit Fahrten in andere Regionen oder Länder sollte eine zusätzliche Gruppenversicherung auf jeden Fall abgeschlossen werden.

Von der NAJU NRW gibt es eine nützliche Handreichung zu solchen organisatorisch-rechtlichen Fragen. Außerdem wird ein bis zwei mal im Jahr ein Wochenendseminar für NAJU-Betreuer angeboten, wo es neben methodisch-didaktischen Grundlagen auch um solche Fragen geht.

Ein Notfall-Kit sollte immer zur Hand sein und die folgenden Komponenten mindestens enthalten: Wundsalbe für Schürfwunden und andere Hautverletzungen (zB Calendula Wundsalbe oder Tinktur), Salbe gegen Insektenstiche und Juckreiz (zB Fenistil), Jodsalbe oder -tinktur, Pflaster (verschiedene Größen), Einwegtaschentücher, Mullbinden, Mullkompressen, Armtragetuch, Pinzette und Schere.

Sehr bewährt hat sich die Anschaffung eines guten Fahrradanhängers (CroozerCargo, 145,-€).
Nicht nur, dass man als Multiplikator für Umweltschutz und BNE hier eine Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz einnehmen kann (und sollte). Solch ein einfach abhängbarer Anhänger ist auch ein sehr praktisches Transportmittel für alle Materialien, die während einer Outdoor-Aktion zum Einsatz kommen, und dafür nicht getragen werden müssen. Zudem spart es manche Autofahrt wenn Material zu umfangreich für einen einfachen Fahrradgepäckträger wird.

Bei Ferienprogrammen und NAJU-Gruppen sollte ruhig auch immer wieder angeregt werden, dass Kinder mit dem Fahrrad kommen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen (auch Schulklassen) oder zumindest Fahrgemeinschaften organisiert werden.

Gerade das Thema Klimaschutz sollte bei einem BNE-Programm ein Querschnittsthema sein, dass überall und immer wieder angesprochen wird. Nachhaltige Mobilität ist ein gutes Beispiel dafür, dass jeder Einzelne hier aktiv werden und einen Beitrag leisten kann, ob zum Umwelt- und Klimaschutz oder indirekt auch zum weltweiten Artenschutz und für eine globale soziale Gerechtigkeit, was ja der Leitgedanke und die eigentliche Zielsetzung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist. Auch die stetige Motivation zur Vermeidung und Sammlung von Müll in unserer Umwelt kann einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz eines jeden Einzelnen leisten.

Oberstes Lernziel der Outdoor-Programme ist es, einen vorsichtigen, behutsamen und respektvollen Umgang mit der belebten Natur zu vermitteln, Neugier und Interesse zu wecken und die Freude am Entdecken und Forschen in der Natur. Der Einsatz eines Binokulars leistet hier nachhaltige Eindrücke.

Es ist kein Spezialistenwissen für die Organisation eines solchen Programms erforderlich, aber ein paar biologische Grundkenntnisse, Naturerfahrung, Eine-Welt-Engagement, pädagogische Erfahrungen und praktisches Denken sind nützlich. Deshalb soll hiermit jeder, dem die Themen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung am Herzen liegen, mit diesem Handbuch ermuntert werden, sein Wissen weiter zu vermitteln an andere, insbesondere die junge Generation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinschaftswerk Natur und Umwelt Rhein-Kreis Neuss e.V.Die Erstellung dieser Website wurde gefördert durch das Gemeinschaftswerk Natur und Umwelt Rhein-Kreis Neuss. Vielen Dank.



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