NABU Rhein-Kreis Neuss Wissenswertes Die Kopfweide

Die Kopfweide

Beschreibung

Bedingt durch eine mindere Stammholzqualität entwickelte man für Silber-, Bruch- und Korbweiden eine besondere Nutzungsart, die sogenannte Kopfholzwirtschaft. Junge Bäume werden in drei bis vier Meter Höhe "geköpft". An der Schnittstelle wird die Pflanze auf diese Weise zu Ausschlägen mit verstärktem Längenwuchs angeregt. Jährliche Höhenzuwächse von 1,5 bis 2 m sind keine Seltenheit. Man nennt die am Stammende kopfartig verdickten Stämme Kopfholzbäume. Aus den derart behandelten Weiden wurden Kopfweiden. Viele der oft bizarr geformten Bäume haben mächtige Stämme, die innen hohl und ausgefault sind.

Kopfweide (NABU / Tina Unger und Gernot Göbert)

Größe

Bei regelmäßiger, fachgerechter Pflege durch "auf den Stock setzen" erreichen die Bäume im Verlauf von Jahrzehnten am Ende eines Wachstumszyklus vor der nächsten Pflege Höhen von vier bis sechs Meter.

Lebensraum

Kopfweiden sind Elemente einer alten Landes- und Landwirtschaftskultur, die insbesondere die den Fluß begleitenden Feuchtgebiete am mittleren und unteren Niederrhein prägen. Sie standen und stehen noch heute in solchen Feuchtgebieten, in Niederungen, an Graben-. und Tümpelrändern, an Bächen oder auch an Feldrainen.

Verbreitung

Weiden, die nicht als Kopfbäume kultiviert wurden und werden, zählen zu den ältesten voreiszeitlichen Blütenpflanzen. In ihrer Kulturform sind sie - artabhängig - von Skandinavien bis ins südliche Europa zu finden.

Vermehrung

Bei Weiden enthält eine Pflanze immer nur männliche oder weibliche Blüten. Die in aufrechten Kätzchen stehenden Weidenblüten werden von Insekten bestäubt. Gelegentlich ist die Kätzchenbildung an Stecklingen schon im ersten Jahr zu beobachten. Die Samen sind nur 1,5 mm lang und mit feinen Härchen versehen, mit denen sie als wollene Flocken weit über Land fliegen.
Mit Ausnahme der Salweide haben die Weiden eine sehr ausgeprägte Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung. Auch aus kleinsten Zweigstückchen kann wieder ein ganzer Baum oder Strauch gebildet werden. Kopfweiden treiben zuverlässig aus dem Stock wieder aus.

Schutzstatus

Viele Weidenarten müssen aufgrund der Gefährdung ihres Lebensraums als gefährdet eingestuft werden. Naturschutzgesetze enthalten teilweise auch Vorgaben für den Pflegeschnitt von Kopfweiden.

Nutzung

Neben der vielfältigen Nutzung der Weidenzweige als Flechtruten wird das Holz als Konstruktions-, Industrie- und Energieholz (... schnellwachsender Rohstoff) und zur ingenieurbiologischen Verbauung verwendet. Das in der Weidenrinde enthaltende Salicin ist seit altersher ein medizinischer Wirkstoff.

Autoren: Tina Unger und Gernot Göbert


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