NABU Rhein-Kreis Neuss Wissenswertes Der Steinkauz

Der Steinkauz (lat. Athene noctua)

Warum liegt der Steinkauz dem NABU so besonders am Herzen?

Der Steinkauz ist unsere kleinste Eule und bevorzugt als Lebensraum offene Landschaften wie z. B. Wiesen mit Kopfweiden oder Obstwiesen. Anfang der 1980er Jahre fiel ein starker Rückgang der Steinkauzbestände auf. Bei Untersuchungen konnte ein Zusammenhang zu dem ebenfalls stark geschrumpften Bestand der Kopfbäume (insbesondere Kopfweiden) hergestellt werden. Dies veranlasste vielerorts NABU- (damals noch DBV - Deutscher Bund für Vogelschutz) Gruppen dazu praktisch tätig zu werden und vor Ort die Kopfweidenpflege zu beginnen, um dieses wertvolle Biotop zu erhalten.
Steinkauz (NABU / Tom Dove)

Der Steinkauz ist eine kleine Eule mit dem Gewicht von etwa einer kleinen Taube. Er ernährt sich von kleinen Säugetieren, vor allem Mäusen und kleinen Vögeln. Wichtiger Teil der Nahrung sind aber auch Insekten, Raupen und sogar Regenwürmer.

Ihre aktivste Zeit haben Steinkäuze am Abend während und nach der späten Dämmerung. In der Brutzeit sind Steinkäuze auch vereinzelt am Tag auf der Jagd und aktiv. Typisch für diesen niedlichen Kauz sind bei Erregung die knicksenden und verbeugenden Bewegungen. „Geschlafen“ wird meist in einem Deckung und gleichzeitig freie Sicht bietenden Einstand in Baumkronen und Buschwerk, aber sogar auch auf Dachböden, in Mauerritzen und Kleinhöhlen. Hier findet man den kleinen Kauz meist gut gedeckt an einen Balken oder Seitenast gelehnt. Tagsüber sitzt er auch häufig frei auf exponierten Punkten wie Schornstein, Zaunpfählen oder Grenzsteinen und döst. Zur Gefiederpflege nimmt der Steinkauz Staub-, Sand- und auch Sonnenbäder. Gelegentlich badet er im Regen, jedoch nie im Wasser.

Unser Steinkauz nistet überwiegend in Baumhöhlen, bevorzugt in alten Kopfbäumen. In Biotopen, die zwar an sich passend sind, jedoch keine Nisthöhlen bieten, nimmt der Steinkauz auch angebotene Spezialniströhren an. Das Steinzkauzpaar brütet ab dem Ende seines ersten Lebensjahres und lebt monogam. Es gibt meist nur ein Gelege im Jahr, das zwischen Mitte April und Mitte Mai gelegt wird. Die Steinkauzhenne legt in der Regel drei bis fünf matt weiße, fast kugelige Eier in eine Nestmulde. Der Legeabstand beträgt meist 2 Tage. Nach dem Legen des letzten Eies bis zum Schlüpfen der Küken vergehen 22-28 Tage. Die Nestlinge öffnen ihre Augen mit 8-10 Tagen und klettern bereits im Alter von 3 Wochen bettelnd ans Flugloch und sogar vor dem Ausfliegen aus der Höhle. Da die Küken meist im 1-Tagesabstand schlüpfen, fliegen sie auch tageweise einzeln aus. Im Alter von 6-7 Wochen können die Jungen schon mindestens 50 m weit fliegen und ab da beginnen sie abzuwandern und sich eigene Reviere zu suchen.

Für freilebende Steinkäuze ist ein Höchstalter von 9,5 Jahren belegt, Steinkäuze in Gefangenschaft werden bis zu 18 Jahren alt. Leider sterben über die Hälfte der Jungvögel im ersten Jahr.

Deshalb ist es besonders wichtig, durch die Pflege und den Erhalt unserer niederrheinischen Wiesen- und Weidelandschaft mit den typischen Kopfbäumen am Bach- und Wiesenrand das Leben und Überleben unserer Steinkäuze zu fördern. Wir sollten ein ebenso weiches Herz für dieses Käuzchen beweisen wie die antiken Athener, bei denen es besonders geschützt war und so in großer Zahl die Akropolis bewohnte. Vielleicht heißt es ja dann irgendwann nicht mehr „Eulen nach Athen tragen“, sondern: Eulen an den Niederrhein tragen.

Autorin: Gabriele Derksen

Quellen:
Glutz und Bauer, 1994: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 9 -
Wiesbaden: Aula Verlag
Einhard Bezzel, 1985: Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nonpasseriformes -
Wiesbaden: Aula Verlag
Krystyna Weinstein, 1997: Eulen. Vögel der Nacht in Kunst und Natur -
Freiburg: Eulen Verlag


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